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Der Bergbauweg Schiffweiler

Neunkirchen

Übersicht
Dauer:
ca. 4 Stunden
Start:
Schiffweiler
Ziel:
Schiffweiler
Art der Route:
Wanderweg,Lehrpfad
Orte an der Strecke
Schiffweiler
Beschreibung
Im Kohlwald ist nachweislich bereits im 15. Jahrhundert nach Steinkohlen gegraben worden. Der Waldweg führt vorbei am Waldstadion und endet in Bauershaus, einem alten Forsthausplatz. Im Jahre 1883 war hier eine erste Schachtanlage angeschlagen worden. Aus ihr ist die Schachtanlage Gegenort (C27) hervorgegangen, die im Jahre 1958 in Betrieb genommen und in den 1980er Jahren stillgelegt wurde, Anschließend geriet die Grube für einige Jahre in Vergessenheit, Im Zuge des Aufbaus der Neunkircher Grubenwege, eines im Jahre 1996 fertiggestellten bergbaugeschichtlichen Projekts der Kreisstadt Neunkirchen, waren die erhalten gebliebenen Anlagenteile systematisch restauriert und in Teilen auch ergänzt worden. Zur Besichtigung freigegeben sind seitdem das Fördergerüst mit der Schachthalle und das Maschinenhaus, in dem sich ein elektrisches Förderaggregat befindet. Wichtigstes Anlagenteil ist zweifelsfrei das 24 m hohe Fördergerüst. Die in Stahlfachwerk ausgeführte filigrane Eisenkonstruktion der "Bauart Saar" ist ein Produkt der Saarbrücker Firma Seibert. Das im Jahre 1900 hergestellte Gerüst stand ursprünglich über Schacht 111 der Grube Frankenholz in Höchen und wurde 1959/60 nach Bauershaus umgesetzt. Heute ist es das drittälteste im Saarrevier. Auf dem alten Grubengelände ist wieder Leben eingekehrt. Der Gegenortschacht ist nicht nur Anfangspunkt und Zentrale der Neunkircher Grubenwege, die Anlage wird zunehmend auch als Ort für kulturelle Veranstaltungen entdeckt.

Von Bauershaus aus erreichen wir über die Schiffweiler- und die Kohlwaldstraße das Gelände der ehemaligen Marcel Bertrand-Schächte (C28), die bereits wieder auf Schiffweiler Gemarkung liegen und deswegen früher auch die Bezeichnung "Schiffweiler Schächte" trugen. Von der Nebenanlage der Wiebelskircher Grube Kohlwald haben sich lediglich die Hangstützmauer und die Schachthalde erhalten. Der Schachtstandort war im Jahre 1923 begonnen worden. Er sollte den Abbau von noch ca. 69 Millionen Tonnen abbauwürdiger Flammkohle, die unter Schiffweiler lagerten, möglich machen. Der Schacht 1 wurde am 17. September 1928 in Betrieb genommen. Im Jahre 1943 begannen die Teufarbeiten am Schacht 11. Nach Schließung der Grube Kohlwald als selbständige Förderanlage im Jahre 1966 und der Übergabe der Schiffweiler Schächte an die Grube Reden verlor die Grube rasch an Bedeutung. Zwischen 1981 und 1983 wurden die Schächte verfüllt und die Schachtböcke demontiert. Die Silhouette des ehemaligen Schiffweiler Bergbausymbols wird dennoch in Erinnerung bleiben. Der Schiffweiler Maler Walter Bernstein hat sie oft als Vorlage für seine Bilder benutzt.

Wir verlassen das Friedhofsgelände an der Stennweilerstraße. Über die Donnersbergstraße gelangen wir in die Rathausstraße. Das Gebäudeensemble Rathausstraße Nr. 9, 9a, 11 und 13 umfaßt den Bereich, in dem in Schiffweiler seit dem frühen 19. Jahrhunderts soziale, kulturelle und verwaltende Einrichtungen nebeneinander konzentriert lagen. Rathaus, Schule und Pfarrhaus (03) bildeten den Mittelpunkt der Gemeinde. An das Gebäude Nr, 9, das "Rathaus-Schulhaus" von 1876-79, schließt sich das Haus Nr. 9a, das ehemalige Schulhaus von 1820, an. Es folgt in der Rathausstraße 11 der zweiteilige Baukörper des Rathauses. Der ältere Teil stammt aus den Jahren 1878/79, der jüngere Anbau von 1913 ist mit Sandsteingliederungen verputzt. Das Katholische Pfarrhaus in der Rathausstraße Nr. 13, ein 1905 entstandener zweigeschossiger Sandsteinbau mit gotisierenden Detailformen, komplettiert die Gebäudegruppe.

Das Rathausensemble umfaßt in Schiffweiler den Bereich in dem seit dem frühen 19. Jahrhundert soziale, kulturelle und verwaltende Einrichtungen auf engstem Raum konzentriert waren. Alle Bauten weisen einen besonderen historischen Wert auf, zusammengenommen besitzen sie einen hohen ortsgeschichtlichen Rang.

In der Margarethenstraße erwartet uns die Kolonie (C36). Sie liegt bereits wieder auf Heiligenwalder Gemarkung. Im Jahre 1902 hatte das Bergwerk Reden am Nordabhang des Hüngersberges die Siedlung Hüngersberg an der Straße nach Graulheck und Leopoldsthal als eigenständigen Ortsteil, genannt die Kolonie, errichten lassen. Die Siedlung bestand aus 32 Doppelhäusern, in denen 64 Arbeiterfamilien untergebracht waren. Alle Wohnungen hatten eine Küche, zwei Zimmer und zwei Mansarden, Zu jeder Wohneinheit gehörte ein Ökonomiegebäude und ein Garten. Den Namen "Margarethenstraße" erhielt sie nach der Frau des Bergrats Margarethe Liesenhof. Die Eingesessenen sahen die "Kolonijer" als Störenfriede an, die, so der abfällige Kommentar eines Zeitgenossen - nichts im Hause hatten als schwarzen Kaffee, Brot und Kartoffeln, und von Milch, Butter, Käse keine Rede.
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