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Der Bergbauweg Heiligenwald

Neunkirchen

Übersicht
Dauer:
ca. 4 Stunden
Start:
Schiffweiler
Ziel:
Schiffweiler
Art der Route:
Wanderweg,Lehrpfad
Orte an der Strecke
Schiffweiler
Beschreibung
Mittlerweile sind die Förderseile an den beiden erhalten gebliebenen Fördergerüsten abgelegt. Dennoch: das Erscheinungsbild der Itzenplitzer Tagesanlagen (B1) ist eindrucksvoll! Im Talgrund stehen die im Jahr 1957 aufgestellten Fördereinrichtungen des Schachtes IL Das Fördergerüst, ein Produkt der Saarbrücker Firma Arnoth und Bäcker, ist ein sogenanntes "Deutsches Strebengerüst" in Vollwandprofil-Bauweise. Im Hangbereich bilden das neuzeitliche Ventilatoren- und Kompressorenhaus, die Fördereinrichtungen von Schacht 111 und die elektrische Zentrale, das Schalthaus, eine geschlossene Bauzeile. Von herausgehobenem Interesse ist das Fördergerüst Itzenplitz 111. Im Jahre 1886 von der Neunkircher Stahlbaufirma Eduard Böcking errichtet, ist es heute das älteste erhaltene Seilscheibengerüst des Saarbergbaus. Die feingliedrige, 13 Meter hohe Stahlfachwerkkonstruktion ist nahezu unverändert geblieben. Von hoher architektonischer Qualität ist auch das dazugehörige Fördermaschinenhaus. Lisenen und Pilaster gliedern den von einem Satteldach gedeckten Bau. Dekorativ wirkt die wechselnde Verwendung von roten und hellen glasierten Backsteinen. Das aus den 1880er Jahren stammende Schafthaus, ein breites achtachsiges Gebäude mit zwei abgewalmten Giebelrisaliten, komplettiert das qualitätvolle Ensemble. Von den übrigen Tagesanlagen auf dem Grubengelände verdient die 1910 errichtete zweiteilige Kaue, das Belegschaftsbad, Beachtung. Beide Kauenflügel werden von einem weitgespannten Mansard-Satteldach mit aufgesetzten Belüfterkuppeln abgeschlossen. Nachträglich ist ein Anbau aus Klinkern dem alten Kauentrakt angegliedert worden Reste der frühen bergbaulichen Aktivitäten sind die überall im Wald antreffbaren Kohlelöcher. Dort, wo die kohleführenden Schichten, die sogenannten Flöze, an der Tagesoberfläche ausstrichen, gingen die Kohlengräber mit primitivem Gezähe, zumeist Feldhacken und Spaten, in den Berg, Die Gewinnungsorte wurden so lange genutzt, bis die Flöze mit den damaligen technischen Mitteln nicht weiter abgebaut werden konnten und zusammenbrachen oder aber die entstandenen Hohlformen voll Wasser liefen. Die im Zuge dieses "wilden Kohlegrabens am Flözausgehenden" entstandenen trichter- oder grabenförmigen Kohlelöcher werden "Pingen" genannt. Hier im Raum Merchweiler-Heiligenwald haben sich zwischen dem Altsteigerhaus und dem Itzenplitzer Weiher über 350 solcher Hohlformen erhalten. Sie stellen das wohl beste Ensemble von Zeugnissen der frühen Kohlegewinnung im gesamten Saarbergbau dar. Es bedarf jedoch des Hinweises, daß in den Notjahren des Zweiten Weltkrieges bis hinein in die 1960er Jahre in diesem Waldgebiet nochmals nach dieser überlieferten Gewinnungsmethode nach Kohlen gegraben worden ist. So erklärt sich auch der gute Erhaltungszustand vieler der hier lokalisierbaren Pingen. Ein erstes Pingenfeld (B4) erstreckt sich rechts unseres Weges zwischen den Itzenplitzer Tagesanlagen und einer Pferdekoppel. In dem stark hängigen Gelände lassen sich zahlreiche Pingen, die zumeist grabenartige Strukturen ausbilden, erkennen.

Nach Erreichen der Rußhütter Straße biegen wir hinter dem Haus Nr, 6 nach links in den befestigten Waldweg ab. Rechts dieses Weges liegt das größte und aussagekräftigste Pingenensemble (B5) in diesem Waldgebiet. Im Hang stehen zunächst langgezogene Grabenpingen an. Ein nach rechts steil ansteigender Weg führt zu weiteren Hohlformen, bei denen es sich um Rund- oder Ovalpingen handelt. Kurz vor Erreichen des Parkplatzes "Fünffingerweg" an der Itzenplitzstraße steigen wir über einen gut erhaltenen Hohlweg (B6) wieder talwärts. Bis zu vier Meter ist jener in das Waldrelief eingekerbt, Durch die Hohlwege erfolgte der Abtransport der Kohlen. Mit Pferdefuhrwerken, Handwagen oder Schubkarren wurden sie zu den Sammel- und Verladeplätzen gebracht.

An der Einmündung der Wemmetsweilerstraße in die Itzenplitzstraße bietet sich nochmals ein guter Blick auf die Tagesanlagen der Grube Itzenplitz. Vorbei an der Sachsenkreuzhalle und dem alten Schulhaus erreichen wir die evangelische Kirche. Diese ist aus einem vom Bergfiskus gestifteten Betsaal (B8) hervorgegangen. Die Weihe des siebenachsigen, in neoromanischen Architekturformen gestalteten Sandsteinhaus war am 11. November 1868. 400 Bergleute fanden in ihm Platz, Der Betsaal blieb bis zum Jahr 1906 im Besitz der Königlichen Bergbehörde. Anschließend wurde er der Pfarrei übereignet, die den Turm anbauen ließ. Ansonsten ist der Betsaal unverändert geblieben. Die Laurentiusstraße mündet in die Kaiserstraße ein.

Diese steigt linker Hand steil an. Wir befinden uns im "Kleinen Heiligenwald", wo um 1857 ein starker Ansiedlungsboom eingesetzt hatte. Viele Bergarbeiter wollten in Heiligenwald seßhaft werden und beantragten den Bau eines sogenannten Prämienhauses. Seit dem Jahr 1842 wurden unverzinsliche, später geringverzinsliche Bauprämien aus der Knappschaftskasse, später aus der Staatskasse, an Bergleute zum Bau von Häusern in Grubennähe gewährt. Bauwillige erhielten je nach erforderlicher Größe und beabsichtigtem Nutzen vorgefertigte Baupläne und Bauland. Dieses von Bergrat Leopold Sello entwickelte Konzept des fiskalisch geförderten Prämienhauses hatte zum Ziel, den Bergwerken langfristig einen ausreichenden Arbeiterstamm zu sichern. Deswegen stand es in erster Linie aktiven und verheirateten Bergleuten offen. Das Konzept und weitere Auflagen führten zu einer starken Bindung des Bergmanns an seinen Arbeitgeber und zu einer extremen Abhängigkeit, Trotzdem belegte die Statistik den Erfolg des fiskalischen Prämienhaussystems. Zwischen 1842 und 1918 wurden im Saarrevier fast 8.000 Prämienhäuser errichtet. Trotz vielfältiger Umbauten sind die auf der rechten Straßenseite stehenden Gebäude noch gut als Prämienhäuser (131111) erkennbar. Sie zeigen unterschiedliche Ausprägungen. Das Haus Nr. 18 ist in der Frontfassade in vier Achsen gegliedert, bei den Gebäuden Nr. 34 und 46 handelt es sich hingegen um fünfachsige Prämienhaustypen.
Alle Angaben sind ohne Gewähr


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